Die Tradition

Früh am Morgen des 1. März hängen die Frauen Schürzen, Hüftwickel, Garn, gewebte Teppiche oder geflochtene Fäden vor ihren Häusern auf, alles in roter Farbe. Sie schützen das Haus vor dem Eindringen des Bösen, Krankheiten und Armut. Wenn Oma Marta sie sehen würde, würde sie auflachen und die Sonne würde aufgehen.

Die Frauen flechten im Voraus weiße und rote Fäden zusammen, Martenizi, die sie jedem Familienmitglied anbinden oder anstecken.

Die verheirateten Frauen tragen die Martenizi am Körper auf der rechten Seite, die unverheirateten auf der linken Seite.

Für gewöhnlich werden die Martenizi aus Wolle gemacht. Sie sind als Münze, Quastel, Bommel, Traube usw. geformt.

Einzigartig bulgarisch sind die Martenizi-Püppchen Pijo und Penda.

Die Martenizi schützen die Menschen vor bösen Augen und Krankheiten; sie werden erst abgelegt, wenn man den ersten Storch sieht. Dann werden sie auf einen blühenden Baum aufgehängt.

In manchen Ortschaften Bulgariens kommen sie unter einen großen Stein und nach neun Tagen schaut man was darunter ist. Wenn es Ameisen sind, wird das Jahr reich an Schafen sein, wenn es andere, größere Insekten sind, wird der Bauer große Viehherden bekommen.

Darum wird die Marteniza auch „Prophetin“ genannt.

Manche werfen sie in den Fluss, damit das Jahr wie geschmiert läuft und alles Böse weggeschwemmt wird.

Man sagt: „Schwemm die Winterschwierigkeiten weg und lass mir die Leichtigkeit und Schönheit des Frühlings da“.

Mancherorts ist ein anderer Brauch verbreitet. Man sucht sich ein Datum zwischen dem 1. und dem 22. März aus und danach erkennt man was das Jahr für ihn bereithält. Ist der ausgewählte Tag sonnig, wird das Jahr erfolgreich sein; ist das Wetter an diesem Tag schlecht- Schwierigkeiten stehen bevor.

Die Martenizi sind ein Talisman, an den das Volk glaubt. Sie sollen Menschen, Vieh und Obstbäume vor Krankheiten schützen.

Die Volksgabe Schönheit zu schaffen spiegelt sich in diesen magischen Amuletten wieder.

Rote Fäden wurden seit Jahrhunderten an den Handgelenken von jungen Bräuten und Kleinkindern gebunden um alles Böse von ihnen fernzuhalten.

Die weiße Wolle der Marteniza steht für langes Leben, die rote für Gesundheit und Kraft, so notwendig am Ende des Winters, wenn die Lebenskräfte und die Nahrungsvorräte beinahe ausgeschöpft sind.